Mit dem Fatbike durch die Wüsten Namibias / Teil 2

Teil 2:
Langsam und zäh drehen sich die Räder im Sand. Der Schweiß läuft mir in langsamen Tropfen den Oberkörper hinunter. Dann bin ich oben. Vor mit eine unendliche Landschaft, das Traumbild einer Wüste. Es ist eine Tour, die im Herzen Namibias beginnt, an den Atlantik und nach Swakobmund führt. Es ist ein Test, ob Fatbikes wirklich halten, was sie versprechen. Denn härter als in den Dünen der Namib-Wüste kann man sie nicht testen. Dumm nur, wenn man ein Fatbike-Neuling ist.

 

Mit dem Fatbike durch die Namib-Wüste - Gerhard von Kapff
Mit dem Fatbike durch die Namib-Wüste – Gerhard von Kapff
2. Tag (Teil 1 von 2)
Unser Ziel ist die Wüste – und ein Test. Wie weit kommen wir mit den Fat-Bikes? Gelingt es uns tatsächlich, 40 Meter hohe Sanddünen nach oben zu fahren? Und, vor allem – schaffen wir es vom Betta-Camp quer durch die Namib-Wüste zum Atlantik?
Leander Borg von der Agentur Nature Friends-Safaris (www.naturefriendsafaris.com) ist derjenige, der die Strecke zumindest schon einmal gefahren ist. Erst bestens gelaunt, die Euporie ist ihm anzusehen. „Fatbiken eröffnet dir eine völlig neue Dimension des Radfahren,“ erzählt er mit leuchtenden Augen. Er ist sicher, dass die kleine Gruppe, total begeistert sein wird.
Unsere kleine Gruppe ist nur vorsichtig euphorisch. Die beiden südafrikanischen Mittfünfziger Herman und Eduard sind wahrlich keine Bike-Neulinge, Yvonne und ihr Mann Ralf fahren im Verein Bike-Rennen, und ich bin, wie im Jack-Wolfskin-Blog des vergangenen Septembers nachzulesen ist, als Mountainbike-Neuling von den Victoria-Falls in Sambia bis Kapstadt geradelt. Ein bisschen Erfahrung habe ich also schon, doch das Fatbike wird eine völlig neue Herausforderung sein.
Wir steigen erstmals auf dem Wüstenboden in die Pedale. Die Bikes auf die Körpergröße anzupassen, ist Standard, sie zu fahren aber doch etwas ganz anderes. Es ist wenig Luft in den Reifen, und das ist sofort zu spüren. Der Tritt ist schwer, schnelles Schalten notwendig, und trotzdem eiern die Reifen. Immer in Richtung Westen, in Richtung Atlantik.
Mitunter, wenn der Untergrund fest wird, packt mich dennoch die Euphorie und ich versuche zu testen, wie es ist, mit einem Fatbike mal richtig Gas zu geben. Gleich zu Beginn versuche ich nach einem Fotostopp die Kollegen einzuholen und setze zu einem Sprint an, der gut 200 Meter dauern soll. Mehr als zwei Minute strample ich was die Lungen hergeben. Doch dieses Rad will einfach keine Geschwindigkeit aufnehmen, mitunter bremst tieferer Sand, dann wieder ein Strauch. Als ich die anderen erreicht habe, weiß ich, dass das die Idee ein erster Fehler war. Wer Fatbiken will, muss sich die Kraft und die Luft einteilen, sonst wird er ganz schnell an seine Grenzen stoßen. Ich jedenfalls spüre noch bis spätabends ein unangenehmes Reißen in der Lunge.
Die Landschaft in der Namib-Wüste ist zunächst flach bis sanft ansteigend. Der Untergrund meist relativ hart mit sandigen Passagen, die trotz der Ballonreifen gewaltig bremsen. Links von uns erstreckt sich in gut einem Kilometer Entfernung ein rötliches, gut 50 Meter hohes Felsmassiv, das uns noch stundenlang begleiten wird. Die leichte Steigung ist zehrend. Zumindest wenn man sie, wie wir, sieben Stunden lang hinauffährt. 80 Kilometer halbharter Sandpiste sind vorgesehen, doch mir läuft schon nach gut einer Stunde der Schweiß den Rücken hinunter. Ich spüre, wie er in Tropfen zwischen den Schulterblättern, an den Lendenwirbeln vorbei und weiter nach unten perlt – unangenehm.
Yvonne zeigt nach vier Stunden bei gut 35 Grad Hitze leichte Erschöpfungsanzeichen. Ihr Kopf ist knallrot unter dem grünen Helm und sie scheint kaum noch treten zu können. Das Fahren ist aber auch wirklich anstrengend, denn Fahrspuren gibt es keine mehr. Wir kämpfen uns mitten durch das Gelände, in dem kleine Wellen, Hügelchen, vor allem aber flaches Buschwerk bis zum Horizont die Reifen ständig einbremsen. Doch sie strampelt verbissen weiter. Längst ist die Neugier Verbissenheit gewichen. Wir wollen nun endlich ankommen, und deshalb werden die Oberschenkelmuskeln noch einmal malträtiert, die Zähne zusammengebissen (und das nicht nur sprichwörtlich) und die Klickpedale nach unten getreten.

 

Gerhard von Kapff, Jahrgang 1964, ist Reisebuchautor, Vortragsreferent und Sportredakteur der Tageszeitung DONAUKURIER. Die bekanntesten Bücher des Ingolstädters waren „Mit zwei Elefanten über die Alpen. Eine Familie wandert von München nach Venedig“ und „Abenteuer für Vater und Sohn. Unvergessliche Erlebnistouren.“ Soeben erschienen ist das Buch „111 Orte im Altmühltal und in Ingolstadt, die man gesehen haben muss.“, 2016 erscheint neben einem weiteren 111-Orte-Titel ein Rad-Buch mit dem Titel „Wüstenblues“. Weiter Infos über den Autor und seine Bücher sind im Internet unter www.abenteuer-zum-nachmachen.com zu finden.

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