UA-78057537-1

Wohnmobil-Abenteuer im Northern Territory Australiens

Eine Wohnmobil-Tour durch den tropischen Teil des Australischen Northern Territory fasziniert mit Badestellen unter Wasserfällen, bizarren Sandsteinlandschaften und klar – der Jagd nach dem „Million-Dollar-Fisch“.

Krokodil, gesehen bei den Yellow Waters, Kakadu-Nationalpark, Northern Territory Australien

Ist das der Humor, der uns durch Australien begleiten wird? Soeben in Darwin gelandet, behauptet der Fahrer zur Vermietstation, er sei vor kurzem noch Kultusminister des Northern Territory gewesen. Am nächsten Tag versucht uns eine Fremdenführerin weiszumachen, sie wäre einst zur ersten chinesischstämmigen Bürgermeisterin der Hauptstadt des Territoriums gewählt worden. Außerdem rät sie uns, bei unserer zweiwöchigen Wohnmobil-Tour eine Angel mitzunehmen. Mit etwas Glück könnten wir den Eine-Million-Dollar-Fisch fangen. Als uns ein weiterer Einheimischer auch noch erklärt, dass sich manche Gasthöfe auf dem Land Krokodile als Haustiere halten würden, sind wir sicher: Down Under ist das Land der Geschichtenerzähler. Oder ist am Ende alles wahr? Wir werden sehen.

Da wir nur zwei Wochen Zeit haben, führt die Tour ausschließlich durch den tropischen Teil des Northern Territory, also an die Nordspitze des fünften Kontinents. Genau dorthin, wo rote Erde nur auf unbefestigten Wegen zu sehen ist und trockenes Buschwerk, lichte Eukalyptuswälder, dichte Mangroven und Wasserfälle mit Badegumpen die Landschaft prägen. Wer ein Australien abseits der bekannten Klischees sucht, ist im sogenannten Top End genau richtig.

Ausflugsboot auf den Yellow Waters,  Kakadu-Nationalpark, Northern Territory Australien
Ausflugsboot auf den Yellow Waters, Kakadu-Nationalpark, Northern Territory Australien

Zwar bietet das Northern Territory mit dem heiligen Berg Uluru auch das spirituelle Herz Australiens. Doch die Wege sind weit. Knapp 2000 Kilometer sind es mit dem Auto oder dem Camper von Darwin aus zum Uluru. Wer nur wenig Zeit hat, ist daher gut beraten, die nähere Umgebung zu erkunden. Zu sehen gibt es schließlich genug: Den Kakadu-und Litchfield-Nationalpark beispielsweise, das Arnhemland oder, etwas weiter im Süden, die Provinzstadt Katherine mit ihren heißen Quellen.

Gesperrt wegen Krokodilsichtung, Litchfield-Nationalpark, Northern Territory Australien
Gesperrt wegen Krokodilsichtung, Litchfield-Nationalpark, Northern Territory Australien

Darwin ist schon aufgrund des internationalen Flughafens und der guten Infrastruktur mit Mietwagenstationen, Supermärkten und Camping-Ausrüstern ein idealer Startpunkt für einen Roadtrip. Gerade bei den Wohnmobilvermietern ist es aber wichtig, einen Blick auf die Internetbewertungen zu werfen. Seriöse Anbieter wie beispielsweise Maui verleihen sehr neue Modelle, andere mitunter schon recht abgerockte Camper mit hunderttausenden Kilometern auf dem Tacho. Da die Campingplätze oftmals über Bungalows verfügen, sind die Touren aber auch mit einem Miet-PKW machbar. 

Rinderzucht im Northern Territory, Australien

Es lohnt sich, auch für Darwin ein paar Tage einzuplanen. In der mit 122 000 Einwohnern größten Stadt des meist kurz NT genannten Northern Territory präsentieren Gemälde-Galerien die Aborigines-Kunst. Wer möchte, kann beim Tauchen in einem riesigen Glaszylinder Krokodile aus nächster Nähe beobachten. Oder zu einem Stadtbummel aufbrechen. Das im tropischen Baustil errichtete Parlamentsgebäude erinnert uns daran, dass wir kurz im Internet überprüfen wollten, ob die Fremdenführerin nicht doch ein wenig geflunkert hatte. Hat sie nicht: Katarina Fong Lim war tatsächlich von 2012 bis 2017 Oberbürgermeisterin von Darwin. Und der Fahrer des Hoteltransfers? Mark Monahan war bis vor einem Jahr der Kultusminister des NT und führt, wie er tags zuvor sagte, heute ein ruhiges Leben als Fahrer: „Schaut in mein Gesicht. Es geht mir richtig gut.“ Monagan wirkte so entspannt wie die meisten Menschen in Darwin. Hektik ensteht hier nur selten, und Abends trifft man sich gern zu einem gemütlichen Picknick am Mindi-Beach.

Australien Northern Territory, Wasserfälle
Australien Northern Territory, Wasserfälle

Tumbling Waters ist ein idealer Anlaufpunkt, wenn man schnell hinaus in die Natur will, aber trotzdem nicht weit fahren möchte. Interessant ist dort der weitgehend naturbelassene Blackmore-Fluss und die heißen Quellen nahe des Holiday-Park-Campingplatzes. Das hübsche Camp gleicht einem einzigen Palmengarten und liegt nur gut 50 Kilometer von Darwin entfernt. 

Campingplatz Holiday Park in Tumbling Waters. Ein herrlich grüner Platz nahe Darwin.
Campingplatz Holiday Park in Tumbling Waters. Ein herrlich grüner Platz nahe Darwin.

Von hier aus führt eine Nebenstraße direkt in den tropischen Litchfield-Park. Bäche und Flüsse haben im Laufe der Jahrtausende tiefe Schluchten und Badegumpen in den Sandstein gegraben. Hohe Wasserfälle wie die Florence Falls ergießen sich in große Becken, und sorgen inmitten des tropischen Regenwaldes für eine bizarre Szenerie. Das Bukey Rockhole wird dagegen von einem Bach gespeist, der sich durch etliche größere und kleinere Naturpools imn Monsunwald zieht und gefahrloses Baden ermöglicht. Sobald in den Nationalparks die Möglichkeit besteht, dass sich Krokodile in der Nähe aufhalten, sperren die Parkranger die Zugänge mit hohen Baugittern. Scott Hannaford, der seit Jahren Touristen durch das NT führt, erklärt zwar, „dass Süßwasserkrokodile meist flüchten. Darauf verlassen würde ich mich aber nicht. Abgesehen davon kommen auch im Süßwasser manchmal die wirklich aggressiven Salzwasserkrokodile vor.“ 

Voll ausgestattet für zwei Personen und schnell schätzen gelernt: Der Maui von Camperdays.de

Wer von Darwin aus die Rundtour durch den tropischen Teil des NT unternimmt, sollte nach dem Litchfield-Nationalpark gleich weiter in Richtung Katherine fahren. Die heißen Quellen der Stadt direkt unterhalb des Riverview-Tourist-Village-Campingplatzes sind zwar nicht so heiß wie vermutet. Aber das ist bei 30 Grad Lufttemperatur auch gar nicht nötig. Der Reiz liegt vielmehr in der zauberhaften Abfolge von Bachläufen, Naturpools und Schwimmbereichen, die die Natur inmitten eines Wäldchens geschaffen hat. Zwischen Eukalyptusbäumen, Felsen und Sträuchern kann man sich gut 50 Meter weit durch dieses kleine Paradies treiben lassen. 

Die Besitzer des Holiday-Park Camps bei Tumbling-Waters.
Die Besitzer des Holiday-Park Camps bei Tumbling-Waters.

Auf dem Weg zurück in Richtung Norden und zum Kakadu-Nationalpark weist nach knapp einer Stunde der Wegweiser in Richtung Edith Falls. Schon der große See mit seinem Wasserfall ist sehenswert. Macht man sich aber die Mühe, mit gutem Schuhwerk den teils felsigen Weg zum Middle-Pool, dem mittleren Becken hinaufzusteigen, ist die Landschaft in ihrer ganzen Schönheit überwältigend. Ein Wasserfall ergießt sich in einen gut 80 Meter breiten Kessel, in dem sich ein See, eine große Insel und einige kleine, mit Palmen bewachsene Inselchen befinden. Über etliche Kanälchen und flache Felsen läuft das Wasser ab, bündelt sich zu einem weiteren Wasserfall und stürzt in ein 20 Meter tieferes Becken. Dass die Fotos von diesem schönsten Bereich der Edith Falls, egal aus welcher Perspektive, eigenartigerweise nicht mit der Realität mithalten können, ist vielleicht sogar von Vorteil. Schließlich hat heute alles, was nicht „instagrammable“ ist, gute Chancen, nicht von Menschenmassen überrannt zu werden. 

Wenn die Pisten überschwemmt sind, gilt es, vorsichtig zu sein mit dem Camper.
Wenn die Pisten überschwemmt sind, gilt es, vorsichtig zu sein mit dem Camper.

Knapp zwei Fahrstunden von den Edith Falls entfernt beginnt der Kakadu-Nationalpark. Faszinierend sind für Besucher vor allem die Felsmalereien der Ureinwohner, die zu den besterhaltenen des ganzen Kontinents zählen. Sie zieren Felswände in der gesamten Region. „Wenn man alle sehen wollte,“ sagt einer der Führer, der im Freigelände des Nourlangie Art Side Walks die Details erklärt: „würde ein Leben nicht ausreichen.“ Bis zu 20 000 Jahre alt sollen die ältesten Zeichnungen sein.

Es bietet sich an, mehr als zwei Nächte im Kakadu-Nationalpark einzuplanen. Denn nur von hier aus ist es möglich, ins Arnhem-Land zu gelangen, in dem die Yolnu-Aborigines noch sehr traditionell leben. Der einzige Zugang ist die Cahills Crossing, eine durch YouTube bekannt gewordene, legendäre Furt, an und in der meist etliche Krokodile schwimmen. Sie kann nur bei Niedrigwasser durchfahren werden. Wer es bei hohem Wasserstand dennoch versucht, bleibt mitten im Fluss stehen – oder landet mit etwas Pech mit seinem Auto in den krokodilverseuchten, tosenden Wassermassen. 

Felsspalt mit Blick auf die weiten Landschaften des Kakadu-Nationalparks, Northern Territory Australien
Felsspalt mit Blick auf die weiten Landschaften des Kakadu-Nationalparks, Northern Territory Australien

Einer der größten landschaftlichen Höhepunkte des Parks sind die Yellow Water Wetlands, weitläufige Feuchtgebiete, die sich ständig verändern und ein Paradies für Vögel und Wassertiere sind. Wer die einzigartige Erfahrung machen möchte, den Tagesanbruch bei einer Bootsfahrt in den Wetlands zu erleben, muss früh aufstehen. Kraniche und Kakadus begrüßen den Sonnenaufgang, langsam schwindet das nächtliche Grau, und das Spiel der erwachenden Farben zaubert ein völlig neues Bild in die weite Fluss- und Sumpflandschaft. Mit etwas Glück schwimmt ein Krokodil dem Boot entgegen, Auge in Auge, und dann nur drei, vier Meter daran vorbei.

Weniger Glück als dieses frei lebende Reptil hatte das noch junge Krokodil im Bark Hut Inn-Pub auf dem Rückweg in Richtung Darwin. Es fristet sein trostloses Leben als Haustier in einem Terrarium im Nebenraum des Restaurants. Krokodile als Haustiere – auch das ist offensichtlich keine Mär. 

Wer mag, sitzt Nachts noch vor dem Camper und bewundert den Sternenhimmel über Australien.

Vor der Rückkehr nach Darwin bliebe somit nur noch zu hinterfragen, was an der Geschichte des „Million-Dollar-Fischs“ dran ist. Das Ergebnis ist keine Überraschung mehr: Es gibt tatsächlich einen jährlichen Wettbewerb, bei dem 100 Fische der Raubfischart Barramundi markiert und in den Flüssen der Region ausgesetzt werden. Wer nach seiner Registrierung einen der zehn „Million-Dollar-Fische“ angelt, kassiert umgerechnet 570 000 Euro. Von wegen ein Land der Geschichtenerzähler also – wer Glück hat, kann noch bis zum 30. September dieses Jahres selbst als Tourist in die Geschichte des Northern Territory in Australien eingehen: als Gewinner des „Million Dollar-Fish“-Wettbewerbs 2025. 

Infokasten:

Anreise: Es gibt momentan keinen Non-Stop-Flug von Deutschland nach Darwin. Flugbeispiel: Singapore Airlines fliegt mit Zwischenstopp über Singapur nach Darwin ab 1300 Euro. Tipp: Im Falle eines mehr als fünfstündigen Aufenthaltes tagsüber bietet Singapur eine kostenlose Stadtführung an.

Einreise und Visum: Ein kostenloses Touristenvisum, das online beantragt werden kann, ist für die Einreise notwendig.

Essen und Trinken: Getränke kosten in Darwin etwa 20 Prozent mehr als in Deutschland. Die Essenspreise in den Restaurants sind in etwa gleich, teils etwas günstiger. Burger, viel Fleisch, Krokodil, Känguruh und auch der regionale Fisch Barramundi stehen fast immer auf den Speisekarten.

Miet-Wohnmobil: Die deutschsprachige Webseite Camperdays.de vermietet  Camper jeder Preisklasse und Größe. Bewährt hat sich das Modell Maui Ultima, das mit Dusche und Toilette je nach Buchungszeitraum 85-150 Euro pro Tag. In diesem Fall kostenlose Stornierung und freie Kilometer inklusive. camperdays.de

Weitere Infos: Die deutschsprachige Webseite des NT ist sehr informativ und für eine detaillierte Reiseplanung geeignet. northernterritory.com/de/de. Im Falle einer Übernachtung vor der Wohnmobil-Übernahme in Darwin wäre das H on Mitchell Street (Studios und Pool) ab 157 Euro im DZ für zwei Personen eine Option. 

Reiseführer: Der Australien-Reiseführer aus dem Stefan Loose-Verlag ist kompakt und gut (27,95 Euro). Etwas informativer und ausführlicher ist der Lonely Planet Australien (29,95 Euro). 

Offenlegungsklausel: Der Autor recherchierte auf Einladung des australischen Northern Territory und des Wohnmobilverleihers Camperdays.de. Auf die Berichterstattung und Wertung der Tour hat das keinen Einfluss.