Vom goldenen Dreieck in die alte Königsstadt Luang Prabang, Teil 5

Von Sibylle von Kapff

Flusskreuzfahrten sind unglaublich entspannend. Einfach nur die Aussicht genießen, die Gedanken fliegen lassen, wunderbar. Es ist kaum möglich ein Buch zu lesen, die Furcht, etwas zu verpassen, ist zu groß. Üppiger Bewuchs prägt den Uferbereich, immer wieder sind Teakholzplantagen zu sehen –  ein großer Geschäftszweig in Laos. Ab und zu passieren wir archaisch wirkende Dörfer. Sie verschwinden fast in all dem Grün, oft geben nur die am Ufer liegenden Longtailboote einen Hinweis darauf, dass hier eine Ansiedlung sein muss. Die meisten Häuser sind auf Stelzen gebaut, um dem ständig stark wechselnden Wasserstand des Mekong trotzen zu können – und auch zum Schutz vor Wildtieren. Erstaunlich bergig ist es hier und der dichte Dschungel scheint undurchdringlich.

Der Fluss selbst ist alles andere als ein gemächlicher Strom. Kantige, zum Teil erstaunlich große Felsen ragen aus dem Wasser, es gibt unendlich viele Strudel und Stromschnellen. Außerdem verändert sich die Fahrrinne ständig, denn durch den ständig wechselnden Wasserstand verschieben sich auch die Sandbänke.

Unser Schiff, die Mekong Pearl, wird von zwei Kapitänen gesteuert. Was für uns Europäer unvorstellbar ist: Die beiden haben nie eine Ausbildung zum Bootsführer durchlaufen, sondern sich ihre Kenntnisse einfach in der Praxis erworben. Nahezu alle Kapitäne größerer Schiffe stammen in Laos aus Frachterfamilien. Sie bekamen ihr Wissen und Können vor allem von ihren Vätern vermittelt. Erfahrung zählt hier alles, denn eine technische Unterstützung wie Sonar fehlt. Wir fühlen uns trotzdem gut aufgehoben, die Jungs werden das schon machen!

Flusskreuzfahrt auf der Mekong Pearl, Laos
Flusskreuzfahrt auf der Mekong Pearl, Laos

Das absolute Highlight dieses Tages erwartet uns am Abend: Wir legen an einer Sandbank an, auf der die Mannschaft ein Barbecue für uns ausrichten wird. Für die Mutigen unter uns ist aber davor erst einmal ein Bad im Mekong angesagt. Das erdbraune Wasser ist erstaunlich kühl, die Strömung unglaublich stark. Wer nicht aufpasst oder ein schlechter Schwimmer ist, wird erst wieder ein paarhundert Meter weiter an Land gehen können.

 

Die Besatzung zaubert im Handumdrehen ein Luxusrestaurant auf die Sandbank. Die Crew stellt kreisförmig Stühle auf, brutzelt auf mehreren Grills Köstlichkeiten wie asiatisch eingelegte Hähnchenflügel, Schweinerippchen und Würstchen, dazu Mais und Süßkartoffeln. Aus dem Dschungel herangeschaffte Bananenstauden, durch Lichterketten verbunden, umrunden unser „Restaurant“. Die ungewohnten Geräusche des Urwaldes schaffen fast schon eine Expeditions-Atmosphäre. So sitzen wir noch bis weit nach Mitternacht mit der ganzen Crew zusammen, singen, reden und trinken den ein oder anderen Reisschnaps. Was für ein herrlicher Abschluss eines ganz besonderen Reisetages!

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